“Es ist etwas besonders Linker Unternehmer zu sein”

03. Dezember 2012  Aktuelles

Das Linke Forum im Gespräch mit Joachim Sturm,  LAG Linke Unternehmerinnen/Unternehmer Niedersachsen
LF:Warum gibt es die LAG Linke Unternehmer/-innen überhaupt?
JS: In Niedersachsen gibt es rund 330.000 Betriebe, davon sind 292.000 Betriebe mit weniger als 9 Beschäftigten am Markt tätig. Wenn man dann noch schaut, dass in der BRD ca. 6 – 7 Mio. Menschen in selbstständiger Erwerbstätigkeit eingebunden sind und ein großer Teil davon in prekären Verhältnissen lebt, erscheint es uns notwendig, dass sich diese Gruppe durch DIE LINKE mitvertreten fühlt. Insbesondere.
LF: Links und Unternehmer zu sein, passt das überhaupt zusammen?
JS: Das ist eine Frage, die uns sehr oft gestellt wird. Es war scheinbar immer etwas Besonderes  Unternehmer oder Unternehmerin bei den Linken zu sein. Wir fühlen uns aber in der Tradition großer Unternehmer, die schon für die gemeinsame linke Aufgabe gearbeitet haben. Friedrich Engels und August Bebel waren da unsere Vorreiter. Natürlich arbeiten wir um Gewinne zu realisieren, damit unsere Mitarbeiter und wir selbst gut leben können. Der Punkt ist: Wir wollen soziale Gerechtigkeit auch für Unternehmerinnen und Unternehmer. Wir erleben zurzeit einen Kapitalismus, der kleinen und mittleren Unternehmen immer weniger Handlungsfreiheit lässt und dafür Großbetriebe und Konzerne unterstützt und von vielen Regeln befreit.
LF: Was sind die Herausforderungen, vor denen Ihr als LAG steht?
JS: Niedersachsen ist ein typisches Flächenland und wir haben Probleme, uns bei ca. 30 Mitgliedern und Freunden regelmäßig zu treffen. Ein großer Teil unserer Mitglieder ist in Kreisverbänden oder Kommunalmandaten eingebunden und findet kaum Zeit für irgendeine andere politische Tätigkeit. Da heißt es nur als LAG zu wachsen und daran zu arbeiten, dass mehr Genossinnen und Genossen hier Ihr Tätigkeitsfeld bei uns finden.
Ansonsten schreit es danach, sich gegen die verfehlte Steuerpolitik und das ungerechte Abgabesystem zu stellen. Das Steuersystem muss zum Vorteil der kleinen und mittelständischen Unternehmen umgebaut werden. Senkung der Mehrwertsteuer für arbeitsintensive Dienstleistungen auf 7 % wäre da der erste Schritt. Neue Märkte und damit neue Arbeitsplätze sind durch die Einführung von freier Software für niedersächsische IT-Dienstleister zu erschließen. Wir haben Vorschläge für eine Handwerksreparaturoffensive in unserem Parteiprogramm festgeschrieben und das alles gilt es um zu setzen .
LF: Was habt Ihr denn bis jetzt sichtbar erreicht?
JS: Wir haben bei allen programmatischen Aussagen der LINKEN Impulse setzen können. Programmvorschläge unserer LAG finden sich in Aussagen unserer Fraktion im Landtag wieder.
Des Weiteren wird unser Beratungspool in unternehmerischen Fragen gern von Mitgliedern in Anspruch genommen. Von „Wo kann ich Geld für die Firmengründung bekommen bis zu klassischen IT-Fragen” war alles dabei.
LF: Was soll denn 2013 passieren?
JS: Wir haben insbesondere für unsere Arbeit die Verbesserungen der regionalen Wirtschaftsstrukturen in Niedersachsen in den Mittelpunkt gestellt, d. h. Themen wie öffentliche Auftragsvergabe und die Gründung von Absatzgenossenschaften auf dem Land.
LF: Gibt es noch etwas Besonderes an unsere Leser?
JS: Wir freuen uns, wenn unsere Mitglieder uns in unternehmerischen Fragen fordern und unsere Kompetenz bei Bedarf abrufen. Natürlich hoffen wir, dass sich noch Unternehmerinnen und Unternehmer aus unserer Partei zur kreativen Mitarbeit einfinden.